
dieses Christi Himmelfahrtswochende fand in Berlin für 3 Tage im Ganzen der Linksruck-Jahreskongress statt - die Rosa Luxemburg-Tage unter dem Motto: "Marxismuss - für die neue Linke!". Linksruck ist - wie Ihr sicher wisst - eine weltanschauliche Organisation eher von der sozialistisch-kommunistischen Sorte. Aber lest "trotzdem" weiter... Es gab Podien und kleinere Workshops, insbesondere zu 4 Themen:
4) Erfahrungen: Lateinamerika (Venezuela, Brasilien, Bolivien etc.), Frankreich. Auch Attac-Prominenz: Elmar Altvater, Peter Wahl, Linkspartei.PDS: Katja Kipping (ihre Idee des Grundeinkommens war auch Gegenstand eines sehr interessanten Workshops), Wolfgang Gehrcke, Michael Brie, Sevim Dagdelen; der von unserer ganzen Solidarität getragene Tobias Pflüger; WASG: Thomas Händel, Christine Buchholz bevölkerten die Podien, und andere sozialistische Gruppen waren vertreten. Es gab europäische Besucher von Respect (Großbritannien): John Rees, der LCR (Frankreich): Lars Steinau, der Rifondazione Comunista (Italien): Brune Seban; und internationale: Elsa Rassbach (Antikriegsaktivistin, USA, jetzt Berlin), Zorabel Cordero (Venezuela)... Es wurde beschlossen, das gemeinsame PDS-WASG-Projekt zwar nicht zu gefährden aber als Linke in der Linken kritisch zu begleiten. John Rees (Respect) erntete viel Beifall damit, dass besonders wichtig der ständige Dialog sei. Gilt immer, finde ich! Andere Veranstaltungen behandelten das neoliberale Abgleiten der SPD und die Frage der "Zähmbarkeit des Kapitalismus" (z.B. durch keynesianische Politiken) überhaupt. Stefan Bornost (Chefredakteur der Zeitung zur Bewegung: "Linksruck") stellte die Frage, ob die SPD, das "Kronjuwel der deutschen und weltweiten Arbeiterbewegung", das früher der Arbeiterbewegung (den ärmeren, benachteiligteren Gruppen) die größten Hoffnungen gemacht habe und jetzt die schlimmsten Kürzungen zu verantworten habe, buchstäblich (trotz Lichtblicke wie Ottmar Schreiner und freundlichen Interventionen wie Lafontaines und Gysis) überhaupt noch zu retten sei. Als Hauptaktivität wird intensiv für die Demo am 3.6. in Berlin 12 Uhr vor dem Roten Rathaus (U-S-Bahnhof Alexanderplatz) geworben, wo ich ja sehr hoffe, manche von Euch schon bald wiederzusehen. Was Bushs Kriegspläne; Antisemitismus, Islamophobie und Xenophobie angeht, wird außerdem auch zur Großdemo am 14.7. in Stralsund geworben (Busse, Bahn- und PkW-Mitfahrgelegenheiten) und zu dezentralen Aktivitäten am Wochenende vorher und nachher in anderen Städten. Die Stralsunder, erzählte ein Vertreter der Friedensbewegung, freuten sich sehr, AktivistInnenfamilien auch für ein Wochenende dort begrüßen zu können. (Übrigens, für Kinderbetreuung war auf dem Kongress immerhin gesorgt.) Workshops beleuchteten Ereignisse und Personen in anderen Ländern: insbesondere Lateinamerika (Morales Wahl und antiimperialistische Politik in Bolivien z.B., Lulas Versinken im Glaubwürdigkeitsloch, Chávez Triumphe) und Frankreich (die anti-CPE-Proteste, die Janine Wissler mit den augenblicklichen Studentenprotesten in Hessen verglich). Allerdings bedauerten Aktivisten ohne Vor-Ort-Anschauung oft ihre Unwissenheit. Je mehr von uns reisen können und darüber erzählen, desto besser: Sorry, Cliché: Reisen bildet! An einem Abend wurde noch der Film über den misslungenen Coup gegen Chávez 2002 und den damit verbundenen Soliaufstand gezeigt.
Insbesondere der letzte halbe Tag war für theoretische Planung von Alternativen reserviert. Vorher hatten mehrere Podien und Einzelworkshops der Klärung von Begriffen (Arbeiterklasse, Krisentheorie etc.) und Personen (Marx, Rosa Luxemburg, Trotzki, Che Guevara) gedient - neben dem Büchertisch gab es im Übrigen auch noch ein Rotes Antiquariat. Obwohl es sicher nicht nützlich ist, die zukünftige Gesellschaft wie eine Blaupause zu planen (was ja auch das Manifest nicht getan hat), die sich ja entwickeln muss, sollte es sicher eine Gesellschaft von Räten, angefangen bei den Dörfern, Wohnblocks, Vierteln, Siedlungen und Betrieben sein, deren Aufbau von einer in menschlichen Werten gegründeten und änderbaren, sich entwickelnden (!) Verfassung geregelt sein sollte. Da zwischenmenschliche Konkurrenz ausgeschlossen sein würde und die Produktivkräfte auf sehr hohem Stand sein würden, würde es auch keinen Mangel, physischen und seelischen mehr geben, der die Beziehungen zwischen den Menschen korrumpieren könne. Es gelte, so Stefan Bornost, alle Verhältnisse auszurotten, von denen schon Marx sagte, dass dort der Mensch ein "versklavtes, erniedrigtes und allein gelassenes Wesen" sei. Zunächst mal ist das natürlich noch Zukunftsmusik. Aber wenn die sozialen Bewegungen Gemeinsamkeiten schaffen können, zunächst vor Ort, dann regional, dann auch in der EU über die Grenzen der Länder hinweg und dann auch über die Grenzen der EU hinweg, weltweit, dann würde das die täglichen Kämpfe sicher der Mühe wert machen. Da ich uns EU-Attacis als begeisterte KämpferInnen gerade in dieser Sache kenne, widme ich dieser, unser bundesweiten Gruppe hiermit diesen Bericht. Mit herzlichen Solidgrüßen